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Geburtstag

Heute ist mein Geburtstag. Obwohl vor 4 Jahren mein Leben an einem seidenen Faden hing undman nicht wußte wie es weitergehen wird, lebe ich, als ob es die Diagnose Krebs, die Chemotherapie, den künstlichen Darmausgang, die Operationen nie gegeben hätte. Wenn mar mir das damals gesagt hätte, dass alles wieder so wird wie es war, dass ich das Leben wieder genießen werde, hätte ich es nicht geglaubt.

Ja es ist wirklich wahnsinnig viel passiert in diesen 4 Jahren. Mir ist bewußt, dass meine Ehe am Ende ist, dass ich diese nur führe, weil wir uns sowieso so gut wie nie sehen, weil ich so finanziell halbwegs abgesichert bin, weil Berndi seinen Papa liebt und eine Trennung für ihn nicht gut wäre. Ich pick mir das für mich Angenehme einfach heraus und ich denke, dass es mein gutes Recht ist. Lange genug habe ich in diese Ehe nur hineingebuttert, hab ihm seine Probleme gelöst und bin dann letztendlich auf der Strecke geblieben. Krebspatient, ausgebrannt und leer. Als man mir damals im Krankenhaus sagte, ich müsse mein Leben ändern, habe ich sie nur fassungslos angeblickt, weil ich nicht wußte, was die alle meinen und wie ich es anstellen sollte. Heute kann ich sagen, dass ich doch alles umgesetzt hab. Unterbewußt vom Instinkt getrieben? Was weiß ich, ich stelle bloß fest, dass es mir gut geht und ich diese private Situation ziemlich gut handeln kann.

Die große Liebe zu Willi, die letztendlich zerplatzt ist wie eine Seifenblase, Wolfgang, der Willi quasi die Tür in die Hand gegeben hat und sich dann ohne ein Wort des Abschieds nicht mehr hat blicken lassen, Hugo und Leo mitsamt dem fast selbstmörderischen Kunstsegelfliegen, 2 x Jobwechsel, alles das hat mich manchmal ans Ende meiner Kräfte gebracht und doch hab ich’s geschafft. Heute sitze ich und schmunzle. Ich erinnere mich genau, wie ich immer geglaubt hab, es geht nicht mehr weiter. Ich kann mein damaliges Unglück manchmal förmlich spüren, aber wenn ich heute zurückblicke erkenne ich ganz genau die so oft gelesene Polarität des Systems. ohne all dieses Leid könnte ich das Schöne nicht erkennen. Ohne all diesen Kummer könnte ich das Glück nicht genießen.

Den heutigen Tag habe ich in aller Ruhe und Stille im Haus verbracht. Die ursprüngliche Schar der Gratulanten ist ausgeblieben. Aber mir wichtige Leute haben sich mit einem kleinen Geburtstagsgruß gemeldet. Meine Eltern, mein Bruder samt Ulli (man soll’s nicht fassen, ich habe es sogar geschafft, ganz normal mit Ulli umzugehen, für mich war nix mehr von meiner Ablehnung zu spüren), meine Claudschi und eine ganz liebe Mail von Mag. Engel. Die freut mich am allermeisten, weil ich ihn sehr bewundere, fast ist er ein bissl ein Vorbild. Wolfgang hatte sich am Freitag bereits per Mail gemeldet - für mich nichts, was mich vom Hocker haut, aber trotzdem find ich’s einfach nett. Müßte ja nicht sein!

Hab durch dieses Wochenende mit meinem heißgeliebten Zottelhund wieder zurück zu meiner Ausgegleichenheit gefunden und das freut mich am allermeisten. Ich erkenne jetzt, dass es wirklich nur die Menschen in der Firma sind, die mich “unrund” werden lassen. Sollte ich mir vielleicht im neuen Lebensjahr gleich als erstes Ziel setzten, sie sein zu lassen so wie sie sind, ohne mich um ihre Kinkerlitzchen anzunehmen, ohne mich über sie zu ärgern, kränken etc. Was RGL anbelangt, kann ich jetzt auch wieder klare Gedanken fassen.

Fazit: Es geht mir wieder besser - so ein “Geburtstagswochenende” sollte ich mir zur lieben Gewohnheit machen!

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