Tag 1 - der Tag danach
Meinen Kundendienstgirls haben mich heute früh mit Sekt im Büro erwartet. Sie wollten mit mir meinen Traunkirchner “Erfolg” feiern, nicht ahnend, daß dies eher in Richtung Niederlage gelaufen ist. Na, ja - macht ja nichts, ich hab mich so wahnsinnig über diese Geste gefreut. Das war wirklich schön, weil sie immer mit mir mitgefühlt, mitgefiebert und mitgelitten haben. Ich habe ihnen erzählt was in Traunkirchen vorgefallen ist, nämlich “ich möchte keine Bindung, ich will mein Leben genießen” aber auch daß Roland die Nacht mit mir verbracht hat. Eigentlich waren die Mädels begeistert, die sehen das eben anders als ich. Sonja meinte, daß er für mich mit Sicherheit etwas empfindet, sonst würde er sich die ganze Strapaz nicht antun, zumal man(n) mit Sicherheit immer irgendwo irgendwelche Tussen für Kuschelei und Sex abschleppen kann. Karin meinte, daß er augenblicklich einfach überfordert sei. Irgendwie will er, jetzt wo frisch geschieden, aus dem alten Klischee ausbrechen und einfach mal Freiheit haben, aber in Wirklichkeit hätte er sich genau so wie ich verliebt, sonst würde er solche Aktionen (Weihnachtsfeier, Anrufe im Büro, etc…) nicht tätigen. Er brauche eben einfach nur Zeit um seine Gefühle zulassen zu können und alles zu ordnen.
NUN - ich sehe das alles ein bisschen anders. Ich bin eher der Meinung, dass das zur persönlichen Freiheit Gesagte schon Hand und Fuß hat, dass ihn aber kurzfristig die Sehnsucht nach Zärtlichkeit, die man eben nicht bekommt, wenn man als Single durch die Welt düst, übermannt hat. Ich möchte ihm ja nicht unterstellen, dass er die Kuschelei geplant hat, das würde dem Gesagten wirklich total widersprechen, aber beim Abschied vor meiner Zimmertür war er sich ganz plötzlich der Gelegenheit bewußt, zumal er mich als total gefühlsbetonten Menschen kennengelernt hat. Und die Gelegenheit hat er ergriffen - so einfach! Sonst nix! Typisch Mann halt! Mir tut’s schon ziemlich weh, vor allem wenn ich mich an die Details erinnere. Aber ich bin ja selber schuld. Ich weiß nicht, warum ich das zugelassen hab. Vielleicht weil ich wirklich so viel für ihn empfinde. Jetzt kann ich gar nix machen, nicht einmal weinen. Ich muß versuchen, die Dinge wieder in den Griff zu bekommen, die augenblickliche Situation tut mir absolut nicht gut. Ich muß irgendwie Distanz herstellen, sonst schaff ich den Absprung nicht. Und das sollte ich schleunigst tun, denn sonst erwürgt mich dieses Gefühl. Er hatte mich gebeteten seine Alaska-Reise zu organisieren. Ich blödes Schwein hab heute um die genauen Termine gebeten. Mir ist ja wirklich nicht mehr zu helfen. Einerseits will ich, dass er (durch meine Planung) was ganz Tolles erleben kann, andererseits quäle ich mich damit permanent. Mittwoch kommt er ins Büro zu einer Besprechnung mti DKO und wollte ein Zimmer in Wien reserviert haben. Hab ich gemacht und ihm heute die Buchungsbestätigung geschickt. Hoffentlich fragt er mich nicht, ob ich den Abend mit ihm verbringe. Ich glaub da könnte ich die Tränen nicht mehr zurückhalten…………