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Heulerei am Hundeplatz

Bin heute ausgerück um Michi am Hundeplatz in Baden zu treffen. Der einzige Platz wo sie hinflüchten kann, zumal sie den Schlüssel fürs Vereinshaus besitzt. Sonntags ist dort nie jemand und Kaffee kann man sich dort auch machen. Haben uns lange über unsere Situation unterhalten und beide geheult was das Zeug hält.

Michi bereut den provozierten Streit mit Martin und will ihn trotz allem was vorgefallen ist unbedingt wiederhaben. Wäre bereit alles zu verzeihen, war bereit die Tatsache zu akzeptieren, dass sie nur eine von vielen ist. Wäre bereit über das geliehene Geld hinwegzusehen nur um nicht allein zu sein. Ich war erschüttert. Ich hab sie noch nie so fertig gesehen. Jetzt wo sich gesundheitlich allmählich alles zum Guten wendet, zerstört sie sich selbst mit ihrem Kummer und betäubt sich mit Nikotin und Alkohol. Will einfach nicht mehr, sagt sie. Das Leben sei beschissen, es gäbe keinerlei Perspektive und rückblickend auf den vergangenen Lebensabschnitt kann sie auch nicht behaupten jemals glücklich gewesen zu sein. Nur in der Zeit mit Martin hat sie sich das erste Mal geliebt, begehrt, geschätzt, bewundert, etc. gefühlt - und das sei jetzt zu Ende….. Ihr Kopf sucht krampfhaft nach Ideen, wie wieder dort anzusetzten wo das letzte Gespräch geendet hat um einfach wieder einlenken zu können und um die davonschwimmenden Felle zu krallen. Um nichts in der Welt will sie verstehen, was da abgeht und um nichts in der Welt will sie loslassen.

Ich bin froh, dass ich nicht in dieser Situation bin. Für mich stellt sich Gott sei Dank die Frage des Festhaltens nicht, weil es kaum was festzuhalten gibt. Nicht nur, dass Roland und mich lockere 200 km trennen, so hat er mir außer mit “schön, daß es dich gibt”, mit “du bist eine besondere Frau” und der einen Kuschelei mit nichts gezeigt, dass er mich mag. Ganz im Gegenteil, er hat die Dinge eigentlich klar dargestellt - ICH hab bloß alles fehlinterpretiert - typisch weiblich halt. Liegt wahrscheinlich daran, daß ich mich verliebt habe, aber das heißt ja noch lange nicht, dass es dem anderen ebenso ergeht. Lillis Zitat - ich muss es an dieser Stelle wiedergeben, damit ich’s immer wieder nachlesen kann

“Wenn wir nicht durch das, was wir verlieren und vermissen, WAS WIR WOLLEN UND NICHT HABEN KÖNNNEN, stark werden können”, sagte Vater, ” dann könnten wir nie stark genug werden, oder? Was sonst macht uns stark?” fragte Vater.

bringt die Sache auf den Punkt. Wollen und nicht haben können - das ist es! Hat mir meine Mutter schon als Kind gepredigt. Man kann nicht alles haben!!!!! Damit mußte ich mich als Kind abfinden (damals gings halt um verschiedene materielle Dinge, meine Eltern haben mir viel ermöglicht, aber nicht alles, weil sie’s eben nicht so dicke hatten…) und schon damals habe ich es geschafft. Damit muss ich mich auch heute abfinden. Was ich als Kind geschafft habe, das schaffe ich auch heute. Habe wohl als Kind geheult und heule auch heute, aber irgendwann ist’s vorbei und irgendwann - siehe New Hamphire Hotel
- kann man über die Dinge lachen.

Sehe der nächsten Woche mit äußerst gemischen Gefühlen entgegen. Irgendwie warte ich auf ein Lebenszeichen von Roland, darauf dass er vielleicht doch am Dienstag im Büro erscheint, aber irgendwas sagt mir, dass ich darauf nicht mehr warten brauch. Irgendwas sagt mir, dass es so gut wäre, denn es wäre wieder ein weiterer Schritt in Richtung Ende, aber irgendwas in mir hofft immer noch.

Irgendwie hat mir die ganze Geschichte meine Sicherheit genommen. Früher wußte ich immer, wie mich zu verhalten. Jetzt weiß ich gar nichts mehr. Ich weiß nicht, ob es richtig ist, die Sache aufzugeben und seine Wünsche und Träume zu begragen, ich weiß aber auch nicht ob es richtig ist, sich weiterer Hoffnung hinzugeben. Ich weiß nicht einmal, wer mir in meiner Situation helfen könnte…… Früher hatte ich mich so gefreut, Roland zu sehen, jetzt habe ich fast ein bissl Angst. Früher hatte ich den Mut zu sagen, was ich möchte, jetzt wage ich es nicht einmal mehr zu denken, aus lauter Panik es könnte mir wieder auf den Kopf fallen. Gibt’s eine Möglichkeit aus dieser teuflischen Spirale herauszukommen. Mit Sicherheit gibts eine, ich seh sie bloß augenblicklich nicht. Aber bitte, wann sehe ich sie? Wo finde ich sie? Wer kann mir helfen? Was muß ich tun, damit ich wieder halbwegs Boden unter den Füßen hab?

Apropos Füße - heute glaube ich das erste Mal eine leichte Besserung meines schmerzenden Beines erkennen zu können. Wenn dem wirklich so ist, dann war es/ ist es tatsächlich eine Thrombose. Muß dann morgen zum Arzt um das weitere Vorgehen zu besprechen. Hab mich im Internet ein bissl schlau gemacht und gesehen, daß die Sache nicht mal so ungefährlich ist. Na super!!!! Egal - wichtig ist, dass die Geschichte behandelt wird. Wird mich wohl etwas dazu anhalten, mehr auf mich zu achten. Das kann mir im Moment ja nur gut tun.

One Response to “Heulerei am Hundeplatz”

  1. Lilli Says:

    Hallo!
    Ich hab dir schon zurück gemailt. Ich gehe heute nicht mehr ins Kino bin zu müde, aber würde mich freuen, wenn wir mal was zusammen unternehmen.
    Liebe Grüße

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