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den Blickwinkel verändern

hab meine “Niederlage” vom Freitrag halbwegs verarbeitet. Wohl noch nicht ganz weggesteckt, es macht mich noch immer fertig, dass ich noch immer so leicht aus der Bahn zu werfen bin, aber ich stelle fest, daß es mir immer besser gelingt, wieder Fuß zu fassen und an meinem Vorhaben festzuhalten. Langsam, ganz langsam komme ich ja doch voran. Früher wäre ich soweit umgefallen, daß ich meinen inneren Zwängen freien Lauf gelassen hätte und in genau solchen Situationen wieder zum Telefon gegriffen hätte, nur um seine Stimme zu hören und eventuell ein paar - nicht mal eindeutige - Aussagen zu erhaschen, nur um per SMS Aufmerksamkeit zu erbetteln. Doch diesmal nicht! Keine SMS, kein Anruf - wohl Gedanken an ihn, aber auch diese werden irgendwann einmal ausbleiben.

Habe gestern - nach dem abendlichen Besuch bei David auf ein Flascherl Wein und ein gutes Gespräch - wieder einmal mit mir selbst philosophiert und möchte als Ergebnis dieses Nachdenkens den Versuch starten, den Blickwinkel zu ändern. Bislang habe ich Roland als Mann gesehen. Als Mann, dem ich Gefühle entgegenbringe und von dem ich gehofft hatte, er würde selbes oder ähnliches für mich empfinden. Hab mich gekränkt und war verletzt, als ich gemerkt habe, dass dies vielleicht gar nicht so ist und wollte es trotzdem nicht wahr haben. Wenn ich Roland aber sehe als das was er ist, als meinen Chef nämlich, dann komme ich vielleicht besser/schneller voran. Ein Chef bleibt ein Chef - üblicherweise empfindet man für den nichts, man macht seinen Job, mehr oder weniger gut, kriegt dafür Geld, mehr oder weniger viel. Ab und zu vielleicht ein Lob, ab und zu vielleicht ein Smalltalk, aber mehr ist da nicht und mehr ist da auch nicht zu erwarten. Üblicherweise braucht man sich über die menschlichen Komponenten, über Charakter, Gefühle und dergleichen seines Chef’s keine tiefgründigen Gedanken machen. Man verbringt gewissen Zeit miteinander, arbeitet einander zu oder hält ihm lästiges Zeug fern und geht, ohne weiteres Grübeln bis zum nächsten Tag nach Hause. Das ist es - just business, sonst nix! Und ausnahmsweise ist es nicht mal so unangenehm.

Vielleicht sollte ich versuchen, es einmal aus dieser Perspektive zu betrachten. Wenn ich mir das so überlege, dann sollte es sich eigentlich ganz locker machen lassen. Beruflich haben wir sowieso recht wenig miteinander zu tun und es ist auch nicht zu erwarten, daß sich dies in Zukunft ändern könnte. Von ihm nichts zu hören bzw. nichts mitzubekommen ist daher vollkommen normal und ich brauche über diesen Umstand daher auch nicht mehr traurig zu sein. Die wenigen Telefonate sind rein beruflicher Natur und daher auch nicht als etwas Besonderes zu werten, geschweige denn, ihnen ein Übermaß an Bedeutung beizumessen. Das erscheint mir augenblicklich recht logisch und ich hoffe, diese Gedanken auch umsetzen zu können.

Während ich hier schreibe fällt mir wieder das Gefühl ein, welches ich gestern am Nachhauseweg im Auto verspürt hab. Irgendwie war da plötzlich so ein Vertrauen, daß alles wieder gut wird. Ein total beruhigendes Gefühl, so als ob irgendjemand/irgendwas da wäre, der/das mich beschützen würde. So als ob ich mich zurückgeleht hätte und knapp davor war, dass mir vor Erschöpfung die Augen zufalllen, begleitet von dem Wissen, alles erledigt zu haben. Ja - genau da will ich hin. Alles erledigt haben, zufrieden sein, Ruhe und Frieden haben, kein Kummer mehr. Dafür werde ich diese augenblickliche Plackerei durchstehen und ich werde es schaffen…..

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