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Ärzte und Patienten

Frage an Radio Eriwan: Wenn Chirurgen jemanden das Leben retten, ist es normal, daß

- sie diese Patienten in ihrem privaten KFZ eine Runde durch die Gegend kutschieren?
- sie diese Patienten unentgeltlich in ihrer privaten Ordi behandeln?
- sie mit diesen Patienten in ihrer Ordi gemütlich eine Flasche Wein schlürfen?
- sie diesen Patienten bei den folgenden Kontrolluntersuchungen im Krankenhaus jegliche Formalitäten und Wartezeiten ersparen?
- sie mit diesen Patienten im Behandlungszimmer der chirurgischen Ambulanz (!!!!!!!!!) gemütlich eine rauchen?
- sie dafür sorgen, das die Wünsche dieser Patienten weitgehendst erfüllt werden, obwohl sie selbst damit ein extrem hohes medizinisches Risiko eingehen?
- sie sich nach Jahren noch so intensiv um diese Patienten bemühen und sich sogar um Krankheitsbilder annehmen, die absolut nicht in ihren Tätigkeitsbereich fallen?
- sie nach Jahren noch immer um die “alleinige” Zuständigkeit in Sachen Nachsorgeuntersuchungen dieser Patienten bemühen, obgleich dies Sache eines Spezialisten (Onkologen) wäre?
- sie sich um die private Situation dieser Patienten erkundigen?
- sie die CD, welche ihnen diese Patienten einmal geschenkt haben, im CD-Player des Autos mit sich herumkarren?

Hmmmmmm - ich hab das noch von keinem Arzt gehört. Soviel Einsatzbereitschaft grenzt ja beinahe an barmherziges Samaritertum und ist schier unglaublich. Und trotzdem gibt es diese Situation. Ich lebe sie gerade und frage mich nun bereits das 5. Jahr WARUM jemand so etwas tut (zumal er ja niemals um nur irgendeins dieser Dinge gebeten wurde). Würde er dies mit jedem seiner Patienten machen, hätte er viel zu tun und wär wahrscheinlich bald in der Klapsmühle.

Ja, er ist schon was ganz Besonderes, mein Herr Oberarzt, wollen wir ihn hier der Einfachheit halber Philipp nennen. Das war er für mich eigentlich schon vom ersten Augenblick an. Damals als er mich fast tot in der Ambulanz “aufgefunden” hat, damals als er mich auf der Intensivstation besucht hat und ich Tage davor und auch Tage danach niemanden außer ihn wahrgenommen hab. Damals als er mir die Tragweite meiner Erkrankung klar gemacht hat und ich mir - nur um keine Schwäche zu zeigen und nicht zuletzt um seinetwegen - immer noch ein Lachen abgerungen hab. Damals als wir die 2. OP und deren Risiko besprochen haben - beinhart und total trocken. Jetzt wo ich hier sitze, erstmals versuche alles was er jemals für mich getan hat zusammenzufassen und ich gerade Hans Theessink höre. Jetzt wo es “Automobile” spielt, den Song, den ich damals für ihn “ausgekoppelt” hab. (Hmmmm - was für ein Zufall!!!!!!) Jetzt - wo er einen Bandscheibenvorfall diagnostiziert hat, einen Orthopäden gerufen hat, der dies bestätigt, wo er einen Termin für eine MRT ausgemacht hat und jetzt wo er die Befunde zu dieser Sache haben möchte, obwohl diese Geschichte absolut nicht in sein Metier fällt!!!!!! Jetzt - wo ich absolut kein Vertrauen in Menschen besitzte.

Vielleicht soll ich bloß sehen, daß nicht alle Männer gleich sind. Vielleicht soll ich bloß sehen, daß man(n) mir nicht immer nur Böses wollte. Vielleicht soll ich bloß lernen, Dinge nicht mehr zu hinterfragen. Vielleicht soll ich bloß lernen, Dinge anzunehmen. In der konkreten Geschichte kann ich nämlich gleich gar nichts anderes tun. Ein DANKE könnt’ ich grad noch keuchen, aber das erscheint mir zuwenig, weil noch nie in meinem Leben jemand so viel für mich getan hat und schon gar nicht OHNE dafür irgendeine Gegenleistung zu erwarten. Ich bin fast ein bissl hilflos……

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