Gedankenkarussell
May 26th, 2005Warum kann ich nicht endlich einmal aufhören zu denken? Warum sind so viele Sachen in meinem Kopf, die nach Klärung schreien und auf Lösung pochen? Warum kann ich die Dinge nicht einfach so stehen lassen? Weil sie nicht zu Ende gelebt sind? Weil sie nicht zu Ende gelitten sind? Weil sie nicht ausgesprochen sind? Weil sie nicht verstanden sind? Mein Gott - wohin soll das führen? Wie lange noch? Ich fühl mich elend und versuche die ganze Zeit krampfhaft, mich mit der Situation des Abschied nehmens auseinanderzusetzen, nicht weil ich es will, aber weil es einfach sein muss sonst geh’ ich seelisch vor die Hunde. Habe im Netz einige gute Gedanken gefunden….
“…..Im Bild vom Abschiednehmen und Abschiedgeben bekommt der Verabschiedete etwas auf den Weg. Er nimmt etwas mit sich fort oder es wird ihm etwas mitgegeben. Etwas Bitteres und etwas Tröstliches. Leichter für ihn, wenn er das Bittere selbst ergreift, statt zu warten, dass man es ihm nachwirft. Gut für ihn, wenn er sich den ehrlich gemeinten Trost schenken lässt und ihn nicht beleidigt ausschlägt. Beides erfordert Souveränität, die nicht jedem gegeben ist.
Eine eher kunstlose Art des Abschiedgebens begnügt sich damit, den Anderen “kaltzustellen”, eine Beziehung “auf Eis zu legen” oder einfach verdorren zu lassen, um sich so den nötigen Aufwand an Takt und Deutlichkeit zu ersparen. Was man dabei gern vergisst, ist die Tatsache, dass man dem anderen ganz und gar nichts erspart, im Gegenteil: Er wird “im Regen stehen gelassen” und muss sich nun seinen eigenen Reim auf das abweisende Verhalten machen, wird sich vielleicht auf der Suche nach seinen Fehlern selbst zerfleischen und am Ende kein gutes Haar mehr an sich finden. Der Kaltstellende drückt sich vor seinem Teil der Unannehmlichkeit, die es immer bedeutet, das Scheitern einer Beziehung einzugestehen. Er halst die unvermeidlich schlechten Gefühle dem Verabschiedeten allein auf, der zwischen Hoffen und Harren und Zum-Narren-gehalten-werden vielleicht mehr an Selbstachtung einbüßt als nötig wäre…..”
Tja - ein solches Verhalten hätte mir wahrlich sehr geholfen. Aber was hab ich zuletzt bekommen? Eine nebulose Aussage, daß die Dinge ihre Zeit brauchen, daß die Sache reifen muß, daß es mir läge die Entscheidung zu treffen, weiter auf eine Beziehung zu warten verbunden mit der Bitte, ich möge es doch versuchen…. Was aber wird gelebt? Eindeutig der 2. Absatz des Textes - ein “ich-verschwende-keinen-Gedanken-an dich”, ein “es-interessiert-mich-nicht-wie’s-dir geht”, einfach ein “aus den Augen, aus dem Sinn”!!!! Wie immer alles unverständlich, wie immer alles nicht zu “begreifen”. Ich weiß nur, daß ich aus dieser Spirale raus muß. Das ist eine Talfahrt ohne Ende. Immer wenn ich es geschafft habe, kurzfristig Halt zu finden, tritt irgendetwas ein, was mich wieder den Griff lockern läßt und schon geht’s wieder weiter abwärts. Bin ich wirklich so unfähig, so schwach? Das kann’s doch nicht sein….. Andererseits habe ich es geschafft, mich seit Samstag nicht mehr zu melden. Hätte er nicht am Montag angerufen, hätten wir gar nichts voneinander mitbekommen. Vielleicht wird’s ja doch, vielleicht schaffe ich es diesmal, mich zu lösen. Wenn doch nur die Bücher schon da wären, ich hoffe so darauf, darin etwas Rückenstärung zu finden.
Habe gestern auch mit Günther telefoniert und ihm erzählt, daß ich glaube, daß ich lerne muß loszulassen. Die Gespräche mit ihm tun mir immer gut, nach diesem Telefonat war ich doch etwas ruhiger. Wir haben vereinbart, daß ich meinen Kurzurlaub im Juni (den ich ja ursprünglich im Roland in OÖ verbringen wollte und an den er sich nun in keiner Form erinnern mag) bei ihm in Kärnten verbringen kann. Sind wohl nur 3 Tage, aber diese am Ossiacher See zuzubringen - noch dazu nicht ganz einsam und verlassen - kann mir nur gut tun. Günther hat mir angeboten, mich zum Segelfliegen mitzunehmen. Das kann ich mir gut vorstellen und die Vorstellung zaubert mir ein leichtes Lächeln ins Gesicht. Ja - ich freu mich sogar ein bissl darauf. Freu mich aufs Fliegen, aufs Philosophieren, einfach auf einen Menschen, dem ich wichtig bin….*wein*